Warcraft 3: Reforged – ein Remaster mit Makeln

Warcraft 3: Reforged bekommt eine Menge Hass im Netz ab. Wir klären, ob die Kritik gerechtfertigt ist.

Mit Freude erinnere ich mich zurück an das Jahr 2002. Mein deutlich jüngeres ich, hielt damals Command & Conquer für das Größte in Sachen RTS. Wie ich mich damals irrte, denn im Juli 2002 erschien Warcraft 3, und alles änderte sich. Viele Jahre später, um genau zu sein 2018, hat Blizzard das Flehen der Fans erhört und auf der damaligen Blizzcon ‘Warcraft 3: Reforged’ angekündigt. Klassisches Gameplay in neuem Gewand. Verdammt und wie gut sah das Spiel in der Ankündigung aus!. Nun wieder etwas später, haben wir endlich das finale Produkt ‘Warcraft 3: Reforged’ und ist die Freude noch immer so groß wie bei der Ankündigung? Leider nicht so ganz und das hat ein paar Gründe.

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Aber bitte versteht mich nicht falsch, aufgrund des klassischen Gameplays ist ‘Warcraft 3: Reforged’ genauso wie Warcraft 3 eben zu sein hat. Nur haben wir wohl alle etwas mehr erwartet. Als Beispiel ziehe ich jetzt die eingangs erwähnte Ankündigung auf der Blizzcon 2018 heran. Damals haben wir aus der Menschen Kampange die Intro Sequenz der Mission “Das Ausmerzen von Stratholme” gesehen. Die neuen Figuren von Arthas, Uther und Jaina waren Detailreich, und Arthas konnte richtig gestikulieren. In der finalen Version fehlten alle diese Neuerungen. Lediglich die neuen und wirklich schicken Charaktermodelle haben es in die Intro Sequenz geschafft. Zu sehen bekamen wir also anstatt der schicken Neuinszenierung ein Intro, welches eher an das Original erinnerte. Wobei das von den Fans laut Blizzard so gewünscht war. Man sollte so nah wie möglich am Original bleiben. Naja es gibt bestimmt einige Puristen da draußen, welche sich schon an einem minimalst veränderten Kamerawinkel stören. Ich persönlich hätte gerne das ganze Spiel mit der neuen Inszenierung so gehabt. Was allerdings neu ist, ist die deutschsprachige Synchro. Nicht das diese schlechter wäre als die alte, allerdings verursachen mir diese übersetzten Eigenennamen einfach Gänsehaut. Uther LICHTBRINGER, Jaina PRACHTMEER usw.

Das ist jetzt allerdings kein Problem von ‘Warcraft 3: Reforged’, sondern dieser Übersetzungen, welche es schon seit geraumer Zeit auch in World of Warcraft gibt. Aber gut, wir haben jetzt so ziemlich alle Negativpunkte, welche es gibt abgehandelt. Ansonsten kann ich das Spiel nur loben. Wie eingangs erwähnt, haben wir klassisches Gameplay mit neuer Optik. Soll also heißen, die Charaktermodelle wurden von Grund auf neu designed. Also nicht nur hoch skaliert, sähe ansonsten auch nicht halb so gut aus, sondern wirklich neu designed. Wodurch eben solche Cutszenes wie in der Stratholme Demo theoretisch möglich wären.

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Im Singleplayer erwartet uns eine filmreife Geschichte, welche wohl jeder Warcraft Fan kennen sollte, immerhin hat Warcraft 3 einige der ikonischsten Charaktere in das Universum gebracht, welche uns auch im heutigen WoW noch begleiten, wie etwa Jaina, Sylvanas oder Thrall. An dieser Stelle ist es schwer auf die Geschichte näher einzugehen, ohne groß zu spoilern, denn immerhin gibt es auch einige Menschen, welche das das Original nicht gespielt haben. Darum enthalte ich mich an dieser Stelle über Details zu der Geschichte und schließe den Blick in den Singleplayer mit den Worten, spielt unbedingt diese grandiose Geschichte.

Doch nicht nur das Solospiel ist gelungen, auch der Multiplayer kann sich sehen lassen. Allerdings ist nicht alles Gold was glänzt, denn auch hier wurden einige Sachen gestrichen. Beispielsweise gibt es (noch) keine Clanfunktion, auch automatisierte Turniere sind nicht mit von der Partie. Persönlich hätte ich gerne, ähnlich wie in Starcraft 2, meinen Stand anhand einer Platzierung innerhalb einer Liga gesehen. Stattdessen muss man als Spieler um sein MMR zu erfahren einer Multiplayer Partie joinen und im Chat !MMR eingeben. Anschließend wird euch eine Zahl angezeigt, welche eure Wertung wieder spiegelt. Ein ziemlich umständlicher Weg, den man auch durch ein einfaches Interface Element lösen könnte, aber sei´s drum. Was macht den Multiplayer von Warcraft 3 nun so außergewöhnlich? Nun nicht zuletzt das klassische Gameplay. Eine Partie artet direkt immer schnell in einer Micro Orgie aus. Das kann man nun mögen oder nicht, ist eben Geschmackssache. Anders als in anderen Titeln, in welchen massen von Einheiten einfach direkt in das Feld geschickt werden, liegt der Fokus in WC3 auf den Stärken und Fähigkeiten einzelner Einheiten. Manche davon sind automatisch, die meisten müssen allerdings manuell aktiviert werden. Da wir lediglich 12 Einheiten gleichzeitig kontrollieren können, kann sich dieser Umstand als kleines Problem heraus stellen. Durch das Vorhandensein der Helden, fallen einzelne Einheiten noch mehr ins Gewicht. Es macht einen riesen Unterschied, ob wir mit einem Stufe 4 Helden in die Schlacht ziehen, oder mit einem voll aufgepowerten Stufe 7 Helden, Stichwort Ultimate, welche es ab Stufe 6 gibt. Dazu bringt jede der vier spielbaren Fraktionen, vier unterschiedliche Helden mit, welche allesamt noch mit Tränken und Items ausgestattet werden können. Kommt euch das bekannt vor? Denn Warcraft 3 ist quasi die Geburtsstätte des MOBA Genres, wie wir es heute kennen, doch dazu später mehr, wenn ich auf den Editor eingehe.

Was den Multiplayer noch so herausragend macht, sind die vier unterschiedlichen Völker, wovon sich keines gleich spielt. Ob wir nun Menschen, Untote, Orcs oder Nachtelfen spielen, für jedes Volk gilt es eigene Taktiken und Einheitenkombinationen, welche es umzusetzen gilt. Dabei stehen die Helden stets im Fokus des Geschehens. Ich empfehle euch, wenn ihr euch für den Multiplayer interessiert, euch mit den gängigen Tier-Listen der Helden auseinander zu setzen, immerhin besteht jedes Spiel aus früher Action mit diesem. Doch um über diverse Taktiken zu sprechen fehlt mir noch einiges an Erfahrung, kommen wir also nun zu dem bereits erwähnten Karten Editor. 

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Der Map Editor von Warcraft 3 ermöglichte es uns schon damals, eigene Kampagnen inklusiver Cutszenes, und/oder eigenen Sound Files zu erstellen. Die Entwickler haben den Spielern hier ein wirklich mächtiges Tool beigelegt, durch welches einige der heute gängigen Genres entstanden sind. Dota hatte beispielsweise seinen Anfang in Warcraft 3. Gut eigentlich in Starcraft, allerdings gab es damals das Heldensystem mit den Items noch nicht. Jedenfalls ist mit Dota damals Blizzard ein riesiger Titel durch die Lappen gegangen, steht es doch im das hauseigene MOBA Heroes of the Storm nicht ganz so gut. Deswegen hat man sich wohl zu einem etwas fragwürdigen Schritt entschlossen. Alle Inhalte welche mit dem Map Editor von ‘Warcraft 3: Reforged’ erstellt werden, gehören Blizzard. Persönlich denke ich, dass dieses Vorgehen längerfristig eher dazu führt, dass Spieler weniger Inhalte erstellen, anstatt, dass Goldschätze entstehen.

Zu guter letzt kommen wir noch auf die klassische Version zu sprechen. Besitzer des klassischen Warcraft 3 konnten bis dato, dieses über den Battle.net Launcher starten, sofern der Key im Battle.net Account registriert war. Mit dem Release von Reforged, wurde dieser Klassische Client auf die neue Version aktualisiert. Sprich auch nicht Besitzer von Reforged erhalten das Spiel, nur eben ohne die neue Optik. Allerdings auch mit beispielsweise den Manko der neuen Synchronisation, oder dem fehlen der Clanfunktion in Multiplayer spielen. Die einzige Abhilfe hierbei, schafft das einlegen der alten Warcraft 3 CD, vorausgesetzt man besitzt diese noch, und verfügt über ein CD Laufwerk. Ein weiterer Punkt, welcher dringenst gefixed gehört, ist die Belegung der Hotkeys. Zwar können wir die Hotkey Einstellung von Standard auf Grid verändern, allerdings wird hierbei anschließend das Grid Layout der US Tastatur verwendet. 

Mochten wir:

  • Neuen Modelle der Einheiten und Charaktere
  • Grandioser Singleplayer
  • Ikonische Charaktere
  • Gute Balance
  • Toller Map Editor

Mochten wir nicht:

  • Keine neuen Cutszenes
  • Ursprünglich gezeigtes, verbessertes UI nicht im Spiel
  • Im Multiplayer keine Ligen/Divisionen
  • Nur zwölf Einheiten gleichzeig wählbar
  • Hotkey Belegung nicht ingame editierbar

Oh Warcraft 3 … ihr merkt schon, ich war in diesem Test recht emotional, was allerdings auch daran liegt, dass Warcraft 3 bei mir einige nostalgische Gefühle weckt. Umso trauriger ist dieses finale Ergebnis für uns. Die Kampange ist nach wie vor ein richtiger Hit, und wer diese nicht gespielt halt sollte sie unbedingt nachholen. Mit den 62 Missionen, inklusive der Erweiterung The Frozen Throne, dürfte auch mehr als genug Spielzeit zusammen kommen. Allerdings ist das, was wohl die größte Stärke sein sollte zur größten Schwäche geworden. Der Zustand des Multiplayers. Nicht nur, dass die Grid Hotkeys auf einer QWERTZ Tastatur nicht funktionieren, auch Custom Hotkeys können bis dato noch nicht verwendet werden. Allerdings wurde hierfür bereits Besserung mittels Patch versprochen. Allerdings hätte dieser Fehler meiner Ansicht nach gar nicht auftreten dürfen, und schon gar nicht so lange im Spiel bleiben. Nichts desto trotz muss ich auch etwas loben, Die neuen Modelle sehen wirklich grandios aus, und das Gameplay ist zeitlos, wenn auch die Beschränkung der Steuerung von maximal 12 Einheiten etwas veraltet wirkt. Wenn ihr mehr zum Thema erfahren wollt, kürzlich haben wir uns auch in unserem Podcast über ‘Warcraft 3: Reforged’ unterhalten.

Wertung:

6/10