In Vampyr spielen wir einen Vampir der nach wie vor seiner Tätigkeit als Arzt nachgeht – Was kann da schief gehen?

Ersteindruck

Mit Vampyr hat uns Dontnod wieder ein sehr Story starkes Spiel geliefert, welches man beginnt und dann am liebsten in einer Session durchspielen würde, aber der Umfang macht das wohl zu einer Herkulesaufgabe. Bevor ich aber etwas zu sehr ins Detail gehe, möchte ich eine Warnung vorweg schicken. So gut ich Vampyr auch finde, so liegt das daran, dass der erzählerische Aspekt also die atmosphärische Immersion hervorragend gelungen ist, die mechanische Immersion, also die Steuerung und wie sich das Spiel anfühlt, nicht so sehr.

Wer also nach einem Spiel wie Tetris oder Doom sucht, wo die Steuerung so flüssig und einfach ist, dass man komplett abdriftet und nicht einmal mehr mitbekommt das man spielt, der ist hier völlig falsch. Die Steuerung macht diese Art der Immersion sehr schwer, doch ist alles andere gut genug um es herauszuholen. Da wir nun also schon die problematische Steuerung angesprochen haben, werde ich als nächstes ins Detail gehen. Als letztes erwähne ich allerdings noch, dass es sich hier zwar um ein Horrorspiel handelt, aber nur wegen der Atmosphäre, nicht wegen irgendwelcher öden Jumpscares.

Was auch sofort ins Auge sticht, ist die tolle Grafik. Sieht sehr schmuck aus und schafft es, dass man sich wie im alten London fühlt. Die Straßen fühlen sich schmutzig und unwohl an, was ja genau der Flair ist, den das Spiel erzeugen will. Die einzelnen Teile der Bezirke in denen man Menschen vorfindet, fühlen sich dagegen sicher an oder zumindest sicher genug um zu wissen, wo man Pause machen kann.

Storytime!

Worum geht’s? Einen Vampir im alten England, welcher nach wie vor noch Arzt ist, jaja, schon verstanden. Da gibt’s aber natürlich mehr. Man spielt nicht nur irgendeinen Arzt sondern Jonathan E. Reid! Ja, DER Jonathan E. Reid! Spaß bei Seite – man ist ein bekannter Arzt, der sich einen Namen mit einer speziellen Bluttransfusionstechnik gemacht hat. Natürlich liegt für viele Ärzte im Krankenhaus gleich der Verdacht nahe, dass ein Veteran seines Faches wie Jonathan eine Heilung für die umgehende Seuche finden kann.

Apropos Seuche! Wir kämpfen in diesem Spiel ausschließlich gegen Vampirjäger und Skals. Was ist ein Skal? Nun hierbei handelt es sich um zunächst wie Zombies erscheinende Gegner. Nicht wirklich intelligent und etwas schwergängig, doch stellt sich schnell heraus, dass es sich ebenfalls um Vampire handelt. Diese sind allerdings keine vollständig infizierten und dadurch nur ein Schatten dessen, was sie eigentlich hätten werden können. Ein Vampyr Lite wenn man so will. Auch wenn es Vampirjäger gibt, so heißt das nicht, dass es sich um eine Welt handelt, in der jeder von diesen Wesen weiß.

Die Bürger leben recht im Schatten über die Existenz dieser Wesen. Jedes Mal, wenn man jemanden vor einem Angriff der Skals rettet, so erzählen sie von obdachlosen oder betrunkenen, welche sie gejagt haben und versucht haben zu beißen. Es wird also von den Wissenden klar versucht, keine Massenpanik ausbrechen zu lassen, indem sie die Wahrheit ans Licht bringen.

Dreh und Angelpunkt des Spiels ist es aber, die Geschichte ernst zu nehmen. Je mehr Leute wir aussaugen und uns einverleiben, desto stärker werden wir. Will man also ein leichtes Spiel, ignoriert man die moralischen Aspekte. Diese sind allerdings so ausschlaggebend und wichtig für das Spiel, dass ich es nicht empfehlen kann, wenn man keinen Funken Empathie oder Interesse an der Story eines Spiels hat.

Umfang

Nun der Umfang des Spiels ist durchaus davon abhängig wie sehr man sich hineinstürzt. Natürlich kann man das Spiel sehr schnell durchspielen, wenn man sich für die Charaktere nicht interessiert und nicht Hinweise sammelt zu den Leuten. Diese erhöhen die Ausbeute an XP sollte man doch jemanden für unwichtig erachten oder gar für schädlich. Wenn man sich also wirklich Gedanken darüber macht und versucht mit so wenig toten wie möglich durchzukommen, dann steigt die Spielzeit drastisch an.

Das Interface dazu ist ein recht simples und deswegen eben gut. Mit den Vampirsinnen kann man Menschen auch durch Wände ausmachen und das über größere Distanzen. Man findet die Leute also schnell, wenn man ihnen den Gar ausmachen will. Dort sehen wir wie viele XP sie bringen und wie viele Hinweise wir haben. Ist das genug, müssen wir uns nur noch informieren ob das Opfer sich auch leicht benebeln lässt, je schwerer dies ist, desto später können wir uns das Opfer erst holen.

Was passiert denn nun, wenn ich jemanden aussauge? Jeder Bezirk hat ein Rating, welches zeigt, wie stabil dieser Bezirk ist. Je stabiler der Bezirk desto weniger Skal treiben sich dort herum und desto sicherer sind die Bezirke. Es lohnt sich also die Bezirke so stabil wie möglich zu halten. Wenn man allerdings schon so viele Leute umgebracht hat, dass der Bezirk zusammenbricht dann hat man vermutlich auch einen Level der hoch genug ist um mit den Konsequenzen umgehen zu können.

Mochten wir:

Mochten wir nicht:

Dafür, dass das Kampfsystem natürlich einen größeren Teil des Spiels ausmacht, sollte das die Note stärker angreifen richtig? Falsch, denn wenn man in den Fernkampf geht mit dem Blutspeer zum Beispiel, ist der Kampf recht leicht zu meistern. Einzig der Nahkampf wird eher ein Feind von mir bleiben, denn weder ist er innovativ, noch passt er in das Spiel hinein. Allerdings ist das natürlich schwer zu gestalten, wenn man ein Skillsystem wie in diesem Spiel versucht.

Alles in allem also ein herausragendes Spiel, dass mehr als genug liefert für jene, die sich auf die Story einlassen, statt sich nur berieseln zu lassen. Insofern gibt es von meiner Seite aus eine dicke Empfehlung für dieses Spiel, dass trotz seiner Schwächen hervorragendes Potenzial zeigt.

Danke fürs Lesen und viel Spaß beim Spielen!Wertung: 9,5/10

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