Sea of Thieves Test – gemeinsam über die Weltmeere

Einige Jahre mussten wir auf Sea of Thieves warten, doch nun meldet sich die Kult-Software-Schmiede Rare zurück.

Seit der Ankündigung von Sea of Thieves aus dem Hause Rare ist schon eine Menge Wasser die Donau hinunter geflossen. In dem zuvor präsentierten Material wurde uns der Mund schon wässrig gemacht, doch es ist nicht alles Gold was glänzt, das mussten wir in Sea of Thieves auf schmerzliche Weise lernen.

Bevor wir lossegeln können, müssen wir uns allerdings mal unseren Piraten erstellen. Hierzu haben wir keinen vollen Charaktereditor wie wir ihn aus anderen Titeln kennen, sondern bekommen lediglich einige zufällig generierte Gestalten präsentiert. Gefallen uns diese Gestalten nicht, können wir uns zwar neue generieren lassen, doch wirklich hübsch werden unsere künftigen Piratenlegenden nicht. Sei’s drum, denn immerhin müssen unsere Mitstreiter den Anblick ertragen und nicht wir. Es empfiehlt sich übrigens Sea of Thieves im Multiplayer zu spielen, da das Spiel für Solo-Spieler recht wenig zu bieten hat, doch dazu später mehr.

Haben wir einmal unseren Freibeuter erstellt, müssen wir zunächst unser Schiff wählen. Ziehen wir alleine oder zu zweit los, bleibt uns die kleine wendige Schaluppe, welche der großen Galione zwar in Sachen Feuerkraft deutlich unterlegen ist, dafür allerdings wesentlich wendiger und schneller als der große Kahn ist. Ab drei bis maximal vier Spielern ist die Galione unser Transportmittel der Wahl. Mit der Galione zu segeln ist schon eine deutlich größere Herausforderung und erfordert nicht zuletzt Teamplay, wobei jedes Crew Mitglied eine Rolle zu erfüllen hat, denn anders als mit der Schaluppe hat der Steuermann entweder gar keine oder eine sehr eingeschränkte Sicht und auch keinen Überblick auf die Karte. In Sea of Thieves könnt ihr nämlich nicht anhand eines Tastendrucks eine Weltkarte öffnen, sondern müsst dafür unter Deck zum Kartentisch gehen um den Kurs zu bestimmen. Auf der Schaluppe hingegen ist dies kein Problem, da alle relevanten Werkzeuge in unmittelbarer nähe zum Steuerrad liegen, was das segeln alleine überhaupt erst ermöglicht, denn beim segeln gilt es nicht nur auf den Kurs zu achten. Auch die Windrichtung ist entscheidend und wie unser Segel ausgerichtet ist. Ihr seht also, alleine kann das segeln zu einem durchaus stressigen Job werden, besser also ein paar Matrosen zur Hand zu haben.

Bevor wir uns allerdings in die Fluten stürzen, sollten wir uns um eine Quest bemühen. Leider beginnt hier schon die Fassade zu bröckeln, denn Sea of Thieves bietet uns lediglich drei verschiedene Arten von Quests. Zum einen wären hier die Gold-Quests, in welchen es darum geht, auf eine verlassene Insel zu fahren, den Schatz zu finden und zurückzubringen. Dann gibt es noch die, wie ich sie nenne, Kill-Quests. In diesen müssen wir auf eine verlassene Insel fahren, und so lange Skelette erledigen, bis der Boss erscheint, ebenfalls ein Skelett, und im Anschluss den Schädel von besagten Boss zurückbringen. Und zu guter letzt hätten wir noch die Lieferungen. Wir erhalten den Auftrag bis zu einer bestimmten Frist Waren an einen bestimmten Außenposten zu liefern. Ob wir nun Schießpulverfässer sammeln oder Schweine einfangen, die Aufgaben unterscheiden sich zwar etwas, allerdings müssen wir auch hier auf eine verlassene Insel fahren. Ich fange an ein Muster zu erkennen, dort die gewünschten Waren suchen und diese abgeben. Ihr seht also, besonders spannend fallen die Quests nicht aus, auch werden leider keine Geschichten erzählt. Maximal im späteren Verlauf während einer Schatzsuche, wenn es ein Rätsel zu lösen gilt, kommt etwas mehr Stimmung auf, doch ansonsten sind die Aufträge leider nicht spannender als in World of Warcraft “Töte 10 Wölfe”.

An sich klingt das Spiel bis jetzt nicht besonders spannend, doch es gibt ja auf den Weiten des Ozeans noch andere Mitspieler, welche uns ans Leder wollen. Und hier schreibt Sea of Thieves einfach die besten Geschichten, die Seelschlachten gegen feindliche Schiffe spielen sich einfach grandios. Nicht nur das Schießen mit den Kanonen, sondern auch die Möglichkeit sich selber auf das feindliche Schiff mithilfe einer Kanone befördern zu lassen sorgt für Spaß. Auch wenn wir gerade keiner der Schützen sind und am Steuer stehen, wird uns nicht langweilig. Mithilfe von Anker-Manövern lässt sich des öfteren eine schnelle Wende durchführen, wodurch man Feinde auch überraschen kann.

Apropos Ozean, dieser gehört mit zu den schönsten Ozeanen, welchen ich seit langen in einem Spiel gesehen habe. Auch wenn die Charaktermodelle für den ein oder anderen befremdlich wirken mögen, die Umgebung in Sea of Thieves kann sich sehen lassen. Auch den einsamen Inseln merkt man an, das sie allesamt von Hand designed wurden. Hier und da findet man kleine Anspielungen oder witzige Details. Die Welt an sich wäre großartig, wenn es sich nicht einfach lediglich nur um einsame Inseln handeln würde. Wie cool wäre es beispielsweise nicht nur auf Skelette als Gegner zu treffen, sondern eingeborene, oder richtige Piratenfestungen? Hier geht meiner Ansicht nach eine Menge verloren. Ebenso wie bei den Schiffen. Nicht nur, dass ich mir gerne mehr als zwei Schiffstypen gewünscht hätte, auch die Möglichkeiten zur Personalisierung sind etwas schwach. Wir können unser Schiff lediglich mit neuen Segeln, Lackierungen oder Galionsfiguren ausstatten, ein richtiges personalisieren gibt es nicht. Schade, gerne hätte ich mir ausgesucht, ob ich auf meiner kleinen Schaluppe eine Hängematte gehabt hätte. Immerhin sollen noch Affen oder Papageien als Haustiere folgen, um dem Piratenleben etwas mehr Atmosphäre einzuhauchen.

Zu den richtigen Highlights neben den Seeschlachten gegen andere Spieler, zählt wohl eine Begegnung mit dem Kraken. Das überraschende Auftauchen der Tentakel aus dem Wasser und der anschließend doch intensivere Kampf bleibt wirklich im Gedächtnis. In unserem Video seht ihr wie eine Begegnung mit dem Kraken nicht ganz so glücklich für die Crew ausgeht. Doch einmal gestorben heißt es lediglich den Staub abklopfen und von vorne, eine richtige Bestrafung gibt es nicht, auch die Wiedereinstiegszeiten sind von den Entwicklern wohl etwas zu gut gemeint, denn das PvP-Gefühl wird durch den schnellen Respawn etwas gestört.

Was auch etwas das PvP-Gefühl stört, ist das etwas zu simple Kampfsystem. Es gibt vier verschiedene Waffen, wovon wir allerdings nur zwei ausrüsten können. Pistolen und Gewehre haben begrenzte Munition, während wir auf den Säbel immer zurückgreifen können. Munitionsnachschub gibt es übrigens zuhauf in der Welt verteilt und auch auf unserem Schiff, wenn man sich also nur für Schusswaffen entscheidet, sollte man eher selten auf dem trockenen laufen.

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Mochten wir:

  • Gut umgesetztes Gefühl beim Steuern des Schiffs
  • Zusammenarbeit mit anderen Crew Mitgliedern
  • Wirklich schöne Darstellung des Wassers
  • Grandioses Coop Spielgefühl …

Mochten wir nicht:

  • …dafür alleine kaum spielbar
  • zu simples Kampfsystem
  • großteils zu faire Rücksetzpunkte
  • Mangel an Abwechslung

Ihr seht schon, auf einen runden Nenner bei Sea of Thieves zu kommen ist alles andere als einfach. Würde ich wohl nur alleine spielen, hätte mir der Titel weit weniger Spaß gemacht. Mit einer lustigen Piratencrew lassen sich schon so einige amüsante Abenteuer auf hoher See erleben, während Solospieler auf dem trockenen bleiben. Auch sind 70 Euro für Sea of Theives ein stolzer Preis, jedoch können Interessenten das Spiel mit dem Xbox Game Pass zunächst 14 Tage testen, um herauszufinden ob Sea of Thieves etwas für sie ist.

Wertung:

7/10