Mit Kingdom Come: Deliverance erwartet uns im noch jungen Jahr 2018 ein richtiger Rollenspiel Epos.

Die frühen Stunden von Kingdom Come sind überraschend friedlich. Schmiedesohn Heinrich hilft seinem Vater in der Schmiede, erledigt Botengänge für seine Mutter, verursacht Ärger mit seinen Kumpels und flirtet mit seiner liebsten. Zumindest so lange, bis eine Armee das Dorf angreift und nahezu jeden tötet. Dies ist der brutale Brennpunkt für die epische Geschichte des Spiels über Krieg, politische Turbulenzen und Rache. Als Heinrich widerwillig sein altes Leben hinter sich lässt und sich an vorderster Front eines blutigen Krieges wiederfindet, ist er von Allem genauso überwältigt wie wir als Spieler. Kingdom Come: Deliverance kommt vollständig ohne Magie, Prophezeiungen oder Fantasiewesen aus. Das braucht es auch nicht, denn die Story hält durchaus bei der Stange und die Open World ist eine der schönsten der letzten Jahre.

Dabei versucht das Spiel das mittelalterliche Flair einzufangen. Zwar dürfte es so, in keinster Weise, anno dazumals abgelaufen sein, ansonsten wäre Heinrich vermutlich schon zu Beginn der Geschichte gestorben, doch wäre das recht langweilig und ein kurzes Vergnügen. Statt dessen wird versucht eine glaubhafte mittelalterliche Welt zu präsentieren, in welcher wir als Spieler auch unseren Spaß haben können. Ob wir nun unablässig der Hauptquest folgen oder den vielen Nebenaufgaben, die eine Open World nun mal so bietet bleibt uns überlassen. Allerdings wird Kingdom Come: Deliverance wie viele solcher offenen und großen Titel von Bugs geplagt. Manchmal sind es einfach nur NPCs welche an einer Hauswand kleben. Doch es gibt auch solche Momente, in denen das Spiel beispielsweise komplett abschmiert, ein NPC nicht das tut was er tun sollte und somit ein Weiterkommen verhindert wird oder aber Konversationen sich stetig wiederholen.

Beim Kampf kann sich Heinrich zwar behaupten, doch ist er weit weg von einem Meister des Schwertkampfs. Nahkampf in Kingdom Come ist gewichtig und gewalttätig, jede Schlacht fühlt sich wichtig an. Selbst bei dem kleinsten Fehler wird Heinrich in das virtuelle Gras beißen, so zwingt uns das Spiel immer dazu, zweimal über jede Aktion nachzudenken, sei es nun Schlagen, Blocken, Parieren oder Täuschen. Aber sobald es mehr als einen Gegner zu bewältigen gilt wird das ganze deutlich schwieriger. Selbst nach 30 Spielstunden wird man hier noch für Fehler bestraft. Es hilft nicht, dass Heinrich eine zerbrechliche Seele ist. Im Kampf erlittene Verletzungen behindern uns im Weiteren. Eine schwere Verletzung kann schon mal das Aus bedeuten. Zwar kann man die Chance auf solche Verletzungen verringern, indem man eine dickere Rüstung trägt, jedoch wirkt sich das wiederum negativ auf Heinrichs Ausdauer aus. Und die Beschwerden hören auch nicht auf! Heinrich kann krank, müde, hungrig, betrunken, verkatert, überfuttert und unterernährt sein und noch ein Dutzend anderer Statuseffekte erleiden, die ihn im Kampf weniger nützlich machen. Es braucht ständige Aufmerksamkeit, um ihn ernährt, ausgeruht und gesund zu halten. Legen wir uns in einem Bett zur Ruh werden Heinrichs Verletzungen nach und nach heilen. In Betten von Wirten können wir sogar speichern. Zwar gibt es auch eine Quick Save Funktion, diese erfordert jedoch den Gebrauch von teurem Schnaps, welcher uns nach dem Speichervorgang gleich noch mit einem „betrunken“ Statuseffekt belegt. 

Das Levelsystem erfindet sich zwar nicht neu aber es macht im Zuge der „Simulation“, welche das Spiel an den Tag legt, durchaus Sinn. Ganz wie in einem The Elder Scrolls steigern wir unsere Fertigkeiten, indem wir diese möglichst oft verwenden. Legen wir wert darauf, uns aus Schwierigkeiten heraus zu reden, verfeinern wir Heinrichs Redekunst. Für jeden geschossenen Pfeil verbessern wir unsere Zielfertigkeiten usw. Auch bei den Questmarkierungen, auf der Karte macht, Kingdom Come zwar nicht Alles neu, doch es ist erfrischend selbst auf die Suche zu gehen. So wird uns eine gesuchte Person nicht direkt und Punkt genau auf der Karte angezeigt, sondern nur die Stadt in der Diese lebt. Bei der Suche nach einem Banditenlager im Wald wird uns nur ein Bereich, sowie eine vage Richtung angegeben.

Eine gute Auswahl an Aufgaben hält die Dinge interessant. Von großen Schlachten und Burgbelagerungen, bis zu ruhigeren Aktivitäten, wie Jagen, die Beilegung von Streitigkeiten und Ausrauben von Weinkellern für betrunkene Herren, ist alles dabei. Es gibt auch Zeiten, in denen das Spiel zu einem unterhaltsamen Detektiv Abenteuer wird und Heinrich sich als talentierter Amateurdetektiv erweist. Die Geschichte kann sich manchmal ziemlich trocken und ernüchternd anfühlen, aber es gibt einige lustige und auch denkwürdige Aufgaben. Darunter eine Begegnung mit einem Priester und dessen fragwürdige Moral sowie ein erlebnisreicher Jagdausflug in den Wäldern, mit dem erwähnten Wein liebenden Herrn.

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Mochten wir:

Mochten wir nicht:

Kingdom Come ist ein Durcheinander von Bugs und es besteht das ständige Gefühl, dass der unabhängige Entwickler Warhorse mehr abbeißt, als er kauen kann. Aber es gibt einen Reiz in seiner Zerrissenheit und macht genug interessantes Zeug, dass ich bereit bin, den knarrenden Rahmen zu tolerieren, der darum kämpft, alles zu stützen. Es ist eine der befriedigendsten, lohnendsten Rollenspiel-Erfahrungen, die ich seit einiger Zeit auf dem PC gemacht habe.Wertung: 

8,5/10

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