Ein neuer Stern am Strategie Himmel – Iron Harvest im Test

Die einst so große Echtzeitstrategie fristet mittlerweile ein richtiges Nieschendasein. Iron Harvest zeigt aber, dass das totgesagte RTS Genre noch nicht am Ende ist.

Das RTS Genre hat es nicht leicht in den letzten Jahren. Abgesehen von Remakes oder Remaster Versionen älterer Titel tut sich kaum etwas an der Front. Als alter Starcraft 2 Hase habe ich auch einen gewissen Anspruch an RTS Titel, was die Auswahl noch zusätzlich einschränkt. Schon alleine das unverbrauchte Setting von Iron Harvest hat im Vorfeld begeistert. In einer alternativen Zeitlinie wurde der erste Weltkrieg mit Mechs bestritten. Iron Harvest spielt in 1920+, also nach dem großen Krieg, nur anstatt mit Panzern stürzen wir uns mit besagten Mechs ins Gefecht. Das besondere daran, die Mechs wirken glaubwürdig designed, auch die Bewaffnung erscheint glaubwürdig, da nicht mit futuristischen Laserwaffen oder etwas in der Richtung gekämpft wird, sondern mit für diese Zeit typischen Waffen.

In der Kampagne selber spielen wir die Geschichte der drei im Spiel befindlichen Fraktionen, Polania, Rusviet und das Sächsische Imperium, welche allesamt an real existierende Nationen angelehnt sind. In der Kampange dürfen wir nicht frei wählen welche Geschichte wir zuerst erleben. Wir müssen mit Polania starten. Das Tutorial ist dabei recht witzig gestaltet. In der polanischen Kampagne erleben wir die Geschichte von Anna Kos, und dem polanischen Widerstand. Dabei beginnt das Spiel recht unbeschwert. In einem Schneeballgefecht mit Kindern erlernen wir die grundlegende Infanteriedeckungsmechanik. Ähnlich wie in Company of Heroes gilt es unsere Einheiten stets schlau im Geländer zu positionieren, um einen Vorteil im Feuergefecht zu erhalten. Dabei sticht keine der Fraktionen mit den Infanterieeinheiten sonderlich heraus, hier haben wir größten teils Standardkost. Zwar können Infanteristen jederzeit auf dem Schlachtfeld umher liegende Waffen aufsammeln, und so zu anderen Einheiten umgerüstet werden, Interessant wird das Gameplay allerdings erst sobald Mechs im Spiel sind. Sehen diese zu Beginn noch wie wandelnde Blechkübel aus, erwarten uns später gigantische Kampfroboter, welche ihrerseits auch eine beeindruckende Zerstörung hinterlassen.

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Apropos Zerstörung, eigentlich kann alles auf der Map befindliche dieser zum Opfer fallen. Zwar können wir mit Infanterieeinheiten leer stehende Gebäude besetzen, Mechs hingegen sind in der Lage, einfach durch diese hindurch zu laufen, sofern der Blechkumpel groß genug ist, mit den kleineren Anfangsmodellen ist dies noch nicht möglich. Allerdings machen die Mechs solche Manöver nicht selbstständig. Die Wegfindung lässt Mechs nicht selbstständig durch Gebäude trampeln, solche Manöver müssen von uns manuell angegeben werden. Schade, so hätte man die Mechs noch effektiver machen können. Ebenfalls etwas störend, ist das positionieren der Einheiten in Feuergefechten. Während in anderen Titeln die Truppen selbstständig hinter die nächste Deckung huschen, muss so ein Manöver ebenfalls von uns manuell durchgeführt werden, und die Genauigkeit hierfür funktioniert dann doch eher schlecht als recht. Ebenfalls eher wenig begeistert bin ich vom Basenbau, sowie den generellen Möglichkeiten für Updates. Der Basenbau ist an sich nur rudimentär vorhanden. Eine Hand voll Gebäude, ein paar Bunker mit Sandsäcken, mehr benötigt man nicht. Auch das Upgraden oder Personalisieren der Einheiten gibt es nicht. Lediglich die Produktionsgebäude verfügen über eine Upgradefunktion, durch welche wir stärkere Einheiten freischalten können.

Das klingt jetzt nach doch gravierenden Schnitzern für ein RTS, welches ich zu Beginn doch schon über den Klee gelobt habe, denn auch das generelle Missionsdesign kommt nicht an die kreativen Einsätze von Starcraft 2 ran. Allerdings muss ich sagen, dass ich Iron Harvest mit meinem absoluten Lieblings-RTS vergleiche, welches zu den besten Vertretern des Genres gehört. Was genau macht Iron Harvest nun so gut, wenn es doch an so vielen nicht unwichtigen Eckpunkten schwächelt? Kurzum: das Szenario sowie die vorbildliche und vor allem lange Kampange sind die großen Eckpfeiler des Titels. 

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Die Geschichte wird uns auf mehreren unterschiedlichen Arten präsentiert. Da wären zum einen mal die Ingame Zwischensequenzen, welche etwas seltsam wirken, das liegt allerdings wohl an den doch etwas begrenzten Möglichkeiten der Darstellung. Dann hätten wir noch Zwischensequenzen welche allesamt zum einen recht ordentlich vertont sind, und zum anderen auch vernünftig aussehen, bis auf eine Ausnahme, die Haare. Besonders bei Annas Bären, Wojtek fällt dieser Umstand auf, was allerdings wohl daran liegt, dass ein Bär nun mal aus Haaren besteht. Zu guter Letzt gäbe es da noch die – ich nenne Sie mal – Dokumentarfilme. In klassisch gehaltenen Schwarzweißfilmen sehen wir wie Soldaten in den Krieg ziehen. Besonders cool daran, dass die Mechs in diese Filme eingebaut wurden. Hat etwas von alten Godzilla Streifen. Wofür ich allerdings ebenfalls eine Lanze brechen muss, ist sowohl der Soundtrack als auch die Soundeffekte. Wenn die Mörsergranaten einschlagen, klingt das besonders mit Kopfhörern schön wuchtig. Die musikalische Untermalung tut ihr übriges, an diesem Punkt habe ich wahrlich nichts zu meckern. 

Mittlerweile sind auch der versprochene Coop sowie der Rankedmodus verfügbar. Coop habe ich noch nicht gespielt, allerdings habe ich mich in die Rangliste gestürzt und ich kann euch sagen, dass ich hier mein Fett weg bekommen habe. Allerdings fallen auch die Unterschiede der Fraktionen erst in solchen Partien richtig auf. Polania beispielsweise hat günstigere Einheiten, welche ihrerseits allerdings nicht so viel austeilen wie die Sturmtruppen des Sächsischen Imperiums. Diese haben eine immense Feuerkraft, sind allerdings nicht so flott unterwegs wie die Fußsoldaten der Rusviets, welche allerdings nur auf recht kurze Distanz funktionieren. Im Grunde sind das die Eigenheiten der Fraktionen. Polania verfügt über Allrounder, das Sächsische Imperium über langsame Einheiten mit viel Feuerkraft, Rusviet über schnellere Einheiten, welche den Nahkampf bevorzugen. Auch hier greift wie in RTS Titeln üblich das Stein/Schere/Papier Prinzip. Mit Anti Mech Waffen gegen Infanterie zu kämpfen ist nun mal eine schlechte Idee, um es kurz zu sagen. Allerdings ist es immer eine gute Idee den Schwachpunkt der Mechs zu verwenden, welcher sich stets auf der Rückseite befindet, auch verfügen alle Einheiten über eine Rückzugsfunktion, welche allerdings recht langsam ist und die Einheit meist auf dem Rückzug ohnehin ausgelöscht wird.

Mochten wir:

  • Tolles Szenario
  • Gute Story
  • Zerstörung auf den Schlachtfeldern
  • Einheiten können im Rang aufsteigen
  • Guter Soundtrack sowie Soundkulisse
  • Design der Mechs

Mochten wir nicht:

  • KI Probleme
  • leider kein wirklicher Basenbau
  • kaum Upgrademöglichkeiten
  • Wegfindung und KI Aussetzer

Iron Harvest war definitiv ein heiß erwarteter Titel für 2020 meinerseits. Das Setting hat mich schon in der Ankündigung überzeugt, also musste nur noch das Gameplay passen. Allerdings hakt es hier an einigen Ecken, sowohl was die KI als auch die fehlenden Upgrades angeht. Eine gelungene Überraschung allerdings war sowohl die Qualität als auch die Dauer der Solo-Kampagne, welche bis zum Ende hin fesselt. Da mittlerweile auch die versprochenen Modi nachgeliefert wurden, steht RTS Enthusiasten eigentlich nichts mehr im Wege, Iron Harvest ist definitiv eines der besten Genrevertreter der letzten Jahre.

Wertung:

7/10



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