Culdcept Revolt – eine merkwürdige Mischung

 

Culdcept Revolt verwirrt so sehr wie es begeistert!

Das Spiel im Eshop runtergeladen, installiert und schon geht’s los. Da wir hier von einem 3DS Spiel reden, ist das Thema Grafik ohnehin heikel. Der 3DS ist kein Powerhouse und ist daher auch nicht in der Lage mit aktuellsten Heimkonsolen mitzuhalten. Dennoch kann man mit dem richtigen Stil  noch das eine oder andere aus dem Gerät herausholen. Culdcept Revolt setz auf 2D sprites, die schön gestaltet sind und gut erkenntlich machen, um wen es sich handelt. In Dialogfenstern erhalten wir ganz im Stile vieler JRPGs ein hochauflösendes Bild des sprechenden Chrakters mit einigen verschiedenen Reaktionen zur Situation. Die Musik, wenn auch nicht vom Hocker hauend, hebt gelungen die Stimmung an den verschiedenen Orten hervor. Die Story macht einen soliden Eindruck und das Spielsystem erscheint zu nächst klar und einfach.

Eine Story als Mittel zum Zweck

Die Story selbst ist nicht schäbig, doch schon vom Tutorial aus an merkt man, dass es sich hauptsächlich um eine Story handelt, die einem das Spiel im Detail beibringen soll. Das Tutorial ist schön und logisch eingebaut. Der Hauptcharakter leidet von der ersten Sekunde an Amnesie und so ist es nicht weit hergeholt, dass er einiges neu lernen muss. Davon profitiert der Spieler natürlich, denn das sind die Tutorials.

Es gibt Menschen, welche man auch „Cepter“ nennt. Diese werden in der Hauptstadt eingesperrt und gejagt. Eine Gruppierung, genannt die Free Bats sind Rebellen, welche die Flucht ergreifen wollen oder gar die Regierung stürzen, um so den Cepter ein friedliches Leben zu ermöglichen. An sich ist die Story damit nicht schlecht, allerdings ist das Pacing etwas zu schnell um Spannung zu erzeugen. Ein guter Leitfaden ist sie allemal und die Dialoge zwischen den einzelnen Spielen lesen sich auch schön, allerdings geraten sie schneller in Vergessenheit als man dies möchte.

Die Charaktere sind schön geschrieben. Man kann bei jedem eine eigene Persönlichkeit ausmachen und der eine oder andere Charakter wächst einem durchaus auch ans Herz. Charakter-Entwicklung gibt es auch, doch leidet diese am gleichen Problem wie die Story, alles geht ein wenig zu schnell, um sich auch richtig anzufühlen. Doch das macht das Spiel noch lange nicht schlecht, da ihr deutlich mehr Zeit mit anderem verbringen werdet.

Hauptstrategie: Würfelglück

Wer sich seiner Zeit Yu-Gi-Oh Dungeon Dice Monster angesehen hat und das mit Monopoly kombiniert, wird schon ein gutes Bild davon haben, wie die Kämpfe funktionieren. Auf einer vorgeferigten Karte, die immer anders aufgebaut ist, gibt es fünf verschiedene Feldarten. Vier davon für die einzelnen Elemente und eines für alle Elemente. Auch Spezialfelder gibt es, welche zum Beispiel zufällige Zauber zünden, ohne dafür Kosten zahlen zu müssen. Jedes Feld kann einem gespielten Monster also einen Vorteil bringen, wenn das Monster vom gleichen Element wie das Feld ist.

So weit so gut. Um ein Monster zu spielen, benötigen wir Magiepunkte. Wir bekommen jede Runde Magiepunkte und auch indem wir durch drei Tore, welche auf dem Spielfeld verteilt sind, marschieren, erhalten wir Magiepunkte. Also, wir haben ein Monster gespielt und laufen weiter. Sollte nun ein Gegner auf dem selben Feld landen wie unser Monster, kann er sich entscheiden gegen es, mit einem eigenen Monster von der Hand zu kämpfen oder aber einfach den Zoll zu zahlen, welcher durch das Monster anfällt.

Wie gewonnen so zerronnen!

Das wäre schon einmal die grobe Basis. Wenn man nun aber kein anderes Monster spielen möchte oder kann, kann das Feld aufwerten auf dem ein eigenes Monster steht. Dies gibt einen Defensivbonus und lässt das Monster auch mehr Punkte wert werden. In einer normalen Runde müssen wir 8000 Punkte auf dem Feld haben um zu gewinnen. Nun gut, wir werten das Feld auf und haben unser Hotel… ich meinte natürlich starkes Monster, stehen wie einen Fels in der Brandung und sind sicher zu gewinnen, doch dann kommt der Gegner und schafft es gerade so das Monster zu töten und ein eigenes auf das Feld zu stellen.

Nun verlieren wir nicht nur die Punkte, sondern bekommt der Gegner auch das Hotel…. ich meinte den Bonus, welchen wir bezahlt haben mit unseren Magiepunkten. Dies ist ein Feature das ein ganzes Spiel umdrehen kann. Hinzu kommt, dass je mehr Monster auf dem gleichen Element stehen, desto höher ist unsere Kette und desto mehr werden die Punkte multipliziert. Das ermöglicht es, einen Gegner der doppelt so viele Punkte hat, ganz schnell hinter sich zu lassen.

Wir sind aber noch nicht fertig!

Zugegeben, das ganze ist recht einschüchternd, bis man sich nach mehrere Runden dran gewöhnt hat. Wir können nun unsere Monster gegen andere Kämpfen lassen, doch wenn die ihre Defensivboni kriegen, hat man keine Chance mehr mit regulären Monstern richtig? Absolut! Wir benötigen nun Ausrüstungen. Waffen und Effekte um die Verteidigung niederzureißen. Wäre alles sehr schön, wenn der Verteidiger nicht auch eine Ausrüstung anbringen könnte.

Der Angreifer hat hier das Ziel mit einem Schlag den Verteidiger zu töten. Schafft er das nicht, gilt der Verteidiger als Sieger. Allerdings geht dann, so der Angreifer nicht direkt stirb, der Angreifer zurück auf die Hand und der Verteidiger bleibt beschädigt bis man ihn heilt. All diese Faktoren machen das Spiel durchaus interessant, doch können sie schnell ermüdend werden, da man nicht nur auf das Kartenglück sondern dazu noch auf das Würfelglück angewiesen ist. Beides zusammen kann einen schwachen Gegner zu einer Plage werden lassen, umgekehrt aber auch einen schweren Boss wirken lassen, wie ein angenehmes Frühstück.

Online-Modus! Hauen wir uns gegenseitig die Köpfe ein!

Ganz klar ist das Interessanteste an diesem Spiel der Online-Modus. Hier gibt es mehrere Modi von 3-4 Spieler. Online gibt es einige DLCs für das Spiel, so können wir neue Kartenrücken kaufen oder Avatare, um nicht den schnöden, alten Hauptcharakter jeden Tag sehen zu müssen. Hier fallen Preise von 0,99 EUR bis 9,99 EUR für größere Sets an. Es gibt auch 2 Gratispakete. Nichts davon ist notwendig und dadurch ist es auch absolut legitim.

Man kauft hier rein kosmetisches und keine Vorteile gegenüber anderen. Die Karten übernimmt man aus dem Offline-Modus, was heißt, dass man nach dem Durchspielen der Story nicht von vorne beginnen muss, Online Karten zu sammeln, sondern wir legen direkt los. Zu beginn konnte ich keine Gegner finden, was vielleicht auch an der Uhrzeit gelegen haben könnte, doch Abends konnte ich dann mehrere Runden testen. Über Emotes unterhält man sich mit seinen Gegnern. Mag nach wenig klingen, doch sind die Züge mit 50 Sekunden begrenzt und das kann in dem Spiel schonmal knapp werden. Zu viel Zeit hat man da ohnehin nicht zu reagieren, es bleibt also denen, die gerade nicht am Zug sind.

Jeder Online-Modus hat seinen Haken!

Auch haben die Online-Spiele entgegen den Offline-Spielen eine Rundenbegrenzung. Sollte das Rundenmaximum erreicht sein, bevor jemand das Spiel durch Punkte gewinnt, so wird derjenige zum Sieger erklärt, der die meisten Punkte hat. Bringt eine neue recht interessante Strategie mit rein, heißt aber auch, dass man mit einem gewissen Zeitdruck spielt. Leider leidet auch dieses Spiel an einem Problem, das mehrere andere Onlinespiele haben. Sollte man im Begriff sein zu verlieren, kann man das Spiel auch einfach verlassen und eine neue Partie starten. Ich kann aktuell nicht sagen, ob man bei dem Verlassen des Spiels eine Strafe bekommt, es scheint allerdings nicht so, da dies sehr gerne gemacht wird. Sollte ein Gegner das Spiel verlassen, wird er mit einer KI ersetzt, welche an seiner statt weiterspielt.

Monopoly kann doch jeder, Culdcept Revolt auch?

Da möchte ich nicht widersprechen, doch bietet dieses Spiel einen gelben Pfeil, der euch immer zeigt, was gerade ein solider Zug wäre anhand der aktuellen Situation. Zunächst hab ich ihn vollständig ignoriert und mir gedacht: „Wer braucht’n den schon? Ich bin ja kluk!“ Spoiler-Alarm: Ich bins nicht. Ich hab an dem ersten Boss der Feinde wohl mehrere Stunden verbracht, bis ich ihn endlich geschafft habe. Hier waren die Hilfestellungen durchaus ein Segen, dennoch verfolgen sie ein gewisse Strategie. Man kann auch anders spielen und gewinnen, dennoch sind sie am Anfang, bis man das System wirklich durch und durch versteht, ein Lebensretter.

Insofern empfehle ich, vor allem für den Anfang, den Pfeil aktiv zu lassen, auch wenn man sich nicht an ihn haltet. Abdrehen kann man ihn dann, wenn man auch ohne weiß, welches Risiko es wert ist, es einzugehen. So erkennt ein Pfeil nicht, ob man einem Gegner nur eine gute Ausrüstung abnehmen will, damit man ein stärkers Monster angreifen kann, ohne dass er auch noch nachrüstet. Die KI erkennt hierbei ausschließlich kurzzeit Strategien.

Genereller Schwierigkeitsgrad

Die Lernkurve ist am Anfang furchtbar steil und wird dann immer flacher. Ich kann nicht beschreiben, wie verwirrend die ersten richtigen Runden sein können. Umso besser fühlt es sich dann später an, wenn man genau weiß, dass der Gegner, der gerade seine 8000 Punkte erreicht hat, gleich auf 5000 fällt, weil man darauf hingearbeitet hat, sein wichtigstes Monster zu vernichten. Das Erreichen der benötigten Punktzahl reicht nämlich nicht zum Sieg. Nachdem man es nun unter Qualen geschafft hat alle Punkte anzusammeln, muss man noch zu einem der Tore laufen. Klingt einfach, aber WÜRFEL! Es kann euch passieren, dass ihr sechs Felder weit laufen müsst und nur einser würfelt.

Das gibt dem Gegner genug Zeit um euch wieder unter 8000 Punkte zu bringen indem er eure Monster tötet oder eure Ketten zerstört, indem er die Elemente der Felder eurer Monster mit Zaubern ändert. Hier gibt es einiges, dass vorallem am Anfang unfair erscheint, dennoch mit der Spielzeit mehr zum Standard wird.

Fazit

Die Verwirrung am Anfang und der Frust direkt darauf sind wirklich abschreckend. Sobald man aber heraus hat, wie genau man sein Buch aufbauen muss, wo der Fokus liegt und welche Züge Sinn machen, kann das Spiel schon sehr viel spaß machen. Vorallem wegen der Glückskomponente, welche ich zwar strategisch für schlecht halte, so verhindert sie gut, dass man ein übertrieben starkes Deck baut, denn jedes Deck kann auf diese Weise, ohne eine Chance zu haben, eingestampft werden. Alles ist offen und das gefällt mir durchaus daran. Wer also nach einem Strategiespiel sucht, dass er für länger spielen will, sollte hier definitiv zugreifen. Durch den Online-Modus ergeben sich dutzende Spielstunden und eine Menge Spaß. Wenn eure Freunde sich das Spiel kaufen, könnt ihr gegen sie oder mit ihnen zusammen spielen, also durchaus für euren Freundeskreis geeignet!



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