Call of Cthulhu – Ruf nach der Geldbörse!

Schnell die Bank plündern und ab zu eurem Spielehändler des Vertrauens, denn hier haben wir eine wahre Perle!

Als langjähriger Fan der Werke von H.P. Lovecraft war ich schon lange auf der Suche nach Spielestudios die sich die Mühe machen würden, diesen Werken neues Leben einzuhauchen. Dies wurde von einzelnen Personen mit dem RPG Maker schon versucht, aber ein größeres Projekt, bei dem wirklich einmal etwas gewagt wird, hat gefehlt. Bis jetzt! Denn mit Call of Cthulhu wurde sich ganze Mühe gegeben, die Atmosphäre, wie sie H.P. Lovecraft sie in seinen Geschichten einzufangen.

Für wen ist dieses Spiel?

Nun das ist wohl die erste Frage, die sich die meisten stellen werden. Kann man der breiten Masse der Horror Spieler hier etwas bringen? Oder eher den Detektiven. Mit der Mischung hat man durchaus ein breites Spektrum an Menschen die man erreichen kann, aber die Hauptzielgruppe ist natürlich die Fan-Gemeinde des Herren, aus dessen Feder dieses Universum entspringt. Mit wirklicher Detail-Genauigkeit wurde hier gearbeitet und das merkt man schon sehr bald – als Fan!

Wer mit diesem Autoren nicht anfängt, der ist auch mit diesem Spiel eher schlecht beraten. Die Mechaniken wirken teilweise etwas unausgereift. Der Schwierigkeitsgrad hält einen kaum bei Laune und Stealth heißt ja für viele nichts anderes als rumsitzen und abwarten. Insofern sind wir hier fertig, nicht? Keine Empfehlung, wieder zurück auf Facebook und weiter scrollen, wozu ich nur sagen kann HEDAHALT!

Dieses Spiel hat seine Schwächen und macht auch keinen hehl darum, dass es das beste im Genre wäre. Die Hauptpunkte, die man hier aufzuzählen hat, sind allerdings nicht nur das Gameplay, denn das ist hier weniger von belangen als die Story und die Weise, wie wir in diese Geschichte eintauchen. Wie unsere Entscheidungen sich einbinden in dieses Universum und jede einzelne dieser Entscheidungen unser Erlebnis komplett verändern können.

Die wahre Zielgruppe

Diese findet sich bei eben den Leuten, die mit einer packenden Geschichte am meisten anfangen können. Als Detektiv, der wenige Fälle nur annimmt und deswegen auch schon druck bekommt, da er seine Quote nicht zu erfüllen scheint, schlagen wir uns durch die mysteriösesten Fälle. Wir stoßen auf Okkulte Dinge und Zufälle, die vielleicht des Zufalls zu viel sind! Das ganze wird gepaart damit, dass wir selbst entscheiden, wie wir an einen Fall herangehen.

Nicht ganz so wie in Sherlock Holmes, wo wir wirklich im Dreck wühlen und deduzieren, sondern die Interaktionen mit den Charakteren dieser Welt machen den Unterschied. Man findet einen Trunkenbold, der einem helfen würde, wenn man ihm nur eine Runde ausgibt. Einfach nicht? Nicht wenn man es sich zuvor mit dem einzigen Alkohollieferanten der Stadt verscherzt und somit keinen Alkohol mehr kriegt. (Ja das Spiel setzt in der Vergangenheit an und die Prohibition hat viele betroffen)

Genau das ist es, was diesem Spiel Leben verleiht. Nicht nur ist das Voice Acting hervorragend gut gemacht, sondern alles was wir tun, hat eine Auswirkung und bringt einen somit dazu wirklich doppelt zu überlegen. Wer also eher auf der Suche nach etwas flottem ist, dass man ohne viel mitzudenken und ohne viel aufzupassen nebenher laufen haben kann, der ist hier ganz falsch. Dieses Spiel verlangt Aufmerksamkeit und auch den Willen, sich hier hineinzuversetzen.

Hier muss ich auch erwähnen, dass nicht nur die Entscheidungen die wir treffen einen Unterschied machen, sondern auch unser Level des Wahnsinns. Lovecrafts Schöpfungen können einen Menschen in den Wahnsinn durch ihre reine Existenz treiben, was wir hier auch abbekommen und manchmal sogar wollen! Denn ein Verrückter kann oft ganz andere Verbindungen herstellen, als jemand der Dinge viel zu nüchtern betrachtet. Man geht also ein Risiko ein, das einen vielleicht belohnt oder aber auch nicht!

Atmosphäre

Achja, davon hab ich ja auch was geschrieben nicht wahr? Von wegen Atmosphäre die den Kurzgeschichten gleich kommt. Ich war äußerst skeptisch, ob man dies überhaupt schaffen kann. Wir reden hier von einem weltberühmten Autor, den alle wegen eben dieser Atmosphäre so lieben und man merkt genau hier, dass die Entwickler dieses Spiels zu diesen Fans gehören. An keiner Stelle in diesem Spiel hab ich mich wohl gefühlt. Alles ist dunkel und feucht und unangenehm.

Die Farben, wie die Leute aussehen, alles hilft dabei, dass sich einfach alles in diesem Spiel wirklich unwohl anfühlt. Das heißt, selbst wenn man gerade einfach nur in der Stadt rum marschiert, hat es etwas dauernd bedrohliches und unschönes an sich, dass man sich einfach nicht so richtig entspannen kann. Einzig in der Detektei in der man beginnt, fühlt man sich wirklich heimig und hat so seinen “Rückzugspunkt”. Ich kann gar nicht genug betonen, dass man mit diesem Spiel eine tatsächliche Horror Atmosphäre geschaffen hat.

Keine langweiligen Jumpscares die einem kurz einen Herzinfarkt vortäuschen und dann wieder uninteressant sind. Hier wurde drauf geachtet, dass wenn man in einem dunklen Raum spielt, man ständig mit dem Gedanken spielt das Licht wieder aufzudrehen. Die Musik unterstreicht dies und macht es noch intensiver. Dieses Studio hat also genau erkannt, was den Autoren so berühmt gemacht hat und hat sich die größte Mühe gegeben, eben diese Punkte wiederzugeben.

Mochten wir:

  • Atmosphäre
  • Detailgenauigkeit
  • Umsetzung
  • Hoher Wiederspielwert

Mochten wir nicht:

  • Stealth fühlt sich recht langatmig an
  • Kaum eine Herausforderung

Wir reden hier von keinem perfekten Spiel und das ist mir bewusst. Auch könnte meine Meinung etwas voreingenommen sein, da ich ja schon Fan der Bücher bin, aber genau das, macht mich zu einem kompetenten Bewerter dieses Spiels. Ich weiß, wie die Vorlage funktioniert und was sie so gut macht und genau das konnte ich auch in diesem Spiel wiederfinden. Wenn es auch keine 1:1 Adaption ist, so ist es eine Fassung, die dem Original treu wird und sich bestimmt nicht verstecken muss.

Wertung:

9/10



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