Mit Agony wurde etwas neues gewagt und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen!

Das Spiel erinnert zunächst sehr an die Divina Comedia (Göttliche Komödie) von Dante Alighieri. Als Seele, welche verdammt wurde in die Hölle zu kommen, müssen wir uns einen Weg heraus bahnen. Dies tun wir nicht alleine, denn die „Rote Königin“ hilft uns dabei. Ihre Identität bleib zunächst unbekannt, genau wie die unsere. Man weiß auch nicht, wieso man in der Hölle landet. Ein paar NPCs an denen man vorbei läuft und mit denen man interagieren kann, verraten einem ein klein wenig über unsere Vergangenheit auf Erden, aber leider auch nicht mehr.

Leider war der größte Fehler von Madmind Studios die hervorragende Marketingkampagne. Sie haben einen riesigen Hype um das Spiel geschaffen, was man nur als Erfolg bezeichnen kann, haben dabei aber vergessen, dass man auch entsprechend Ware liefern muss. So sehr mir Agony auch gefallen hat, muss ich leider zugeben, dass es dem Hype nicht gerecht wurde. Es ist ein gutes Spiel, versteht mich nicht falsch, aber es wurde als deutlich mehr beworben als es schlussendlich ist. Hier hat man beim publishen ganze Arbeit geleistet!

Gameplay

Gehen wir mal etwas näher aufs Gameplay ein, wo wir ja jetzt schon den Rahmen ums Spiel geklärt haben. Als Seele starten wir in einer Hülle, welche sich bewegen kann, springen kann und auch per Knopfdruck anzeigen kann, wohin man gehen muss. Ein praktisches Feature denkt man zunächst, aber leider zeigt es wirklich nur den Weg den man gehen muss an, sprich man wird oft vor verschlossenen Toren stehen, statt zu den Wurzeln geführt zu werden, die man verbrennen muss, um es zu öffnen.

Trotzdem ist es natürlich nett, dass wenn man sich gar nicht mehr auskennt, man zumindest einmal darauf aufmerksam gemacht wird, wonach man ausschau halten sollte. Recht früh im Spiel bekommen wir den ersten Auftrag mehrere Dinge zeitgleich zu finden und hier funktioniert das System wieder sehr gut. Denn statt uns nur einen Lichtstrahl voraus zu schicken, der uns leiten soll, werden einfach Lichtsäulen angezeigt, wo sich unser Ziel befindet. Man weiß also in etwa die Himmelsrichtung in die man sich bewegen muss, nicht aber welcher Weg durch das Labyrinth führt. Nicht zu viel Hilfe, aber genug um eine Ahnung zu kriegen.

Was passiert wenn man stirbt? Hier wurde ein ganz neues System erfunden, also nicht das klassische „Game Over“ Konzept. Wenn man stirbt, verlässt die Seele den Körper und man kann eine andere Hülle, welche man auf dem Weg bisher gefunden hat, benutzen. Diese sind zumeist einfache Märtyrer, die sich nicht wehren können, aber man kann durchaus auch in Dämonen schlüpfen. Der Harken ist: Es ist schwer und man hat nur begrenzt Zeit, bis die Seele einen Wirt gefunden haben muss.

Als Dämon sind wir dann endlich nicht mehr wehrlos. Action geladen können wir hier dann zeigen was wir auf dem Kasten haben und uns gegen andere zur Wehr setzen. Natürlich gilt hier ganz klassisch: Nimmt man sich einen schnelleren Dämon teilt man weniger aus, nimmt man sich die langsameren großen, tischt man mehr auf, ist aber bei weitem nicht so mobil. Als Märtyrer geht nichts, außer verstecken.

Grafik und Sound

Der wohl positivste Punkt an diesem Spiel ist die Atmosphäre. Wenn man das Spiel zum ersten Mal anstartet, wird man direkt von der „schönen“ Grafik gefangen genommen. Hätte man hier schöne Wiesen und Bäche gemacht, könnte man deutlich besser sagen, dass die Grafik „schön“ ist, denn da alles voll ist mit Blut und schleimigem Zeug, ist die Grafik hier eher gut. Sie hilft stark dabei, dass man sich in das Spiel hineinversetzen kann und macht einiges her.

Der Sound spielt in die gleiche Kategorie wie die Grafik. Überzeugt damit, dass er sich echt anfühlt. An keinem Punkt bin ich dagesessen und hab mir gedacht, dass sich etwas fehl am Platz anhört. Märtyrer, die klagen und sogar mit jedem Schritt das klebrige, ekelhafte Geräusch des Bodens, als würde man mit jedem Schritt durch einen Haufen Maden waten – ekelhaft und cool!

Wiederspielbarkeit

Die ist definitiv gegeben. Zwar handelt es sich hier um kein Spiel wie Until Dawn, wo man von der ersten Sekunde aus an in einem ganz anderen Spiel steckt, wenn man eine andere Entscheidung trifft, aber dennoch gibt es hier eine Menge collectibles und ein Neues Spiel+, wenn man es erstmal durchgespielt hat. Das und die 7 verschiedenen Endings geben einen tollen Anreiz, wenn man mit dem eigenen Ending nicht so zufrieden war. Man kann das Spiel nach dem ersten Durchspielen also wirklich wieder in Angriff nehmen, ohne, dass man sich zu sehr dabei langweilt.

Auch ist es natürlich durch die düstere Atmosphäre ein echter Hingucker und dadurch kriegt man durchaus Lust, bei Nacht das Spiel rauszuholen und sich mal wieder ein wenig zu gruseln. In diesem Spiel wird man weniger mit Jumpscares erschreckt, als versucht wird mit der Gesamtatmosphäre zu punkten, weswegen bei einem zweiten durchspielen der Grusel nicht gerade abnimmt.

Mochten wir:

Mochten wir nicht:

Wer bei Agony damit leben kann, dass man nicht action geladen von einem Monster verfolgt wird und es mit einem Maschinengewehr durchlöchert, der sollte dem Spiel wirklich eine Chance geben. Man ist zunächst im Spiel sehr machtlos und das gibt dem ganzen nur noch mehr Flair. Der Anfang ist vielleicht etwas trocken, da man sich durch ein Labyrinth kämpfen muss, in welchem man mit den Mechaniken erschlagen wird, aber danach lockert es auf und wird zu einem wirklich guten Horrorspiel. Die AI funktioniert recht gut und nach den Sneak-Passagen beginnt das Spiel dann auch damit action einzubringen. Es ist in diesem Spiel also wirklich alles vorhanden. Leider nicht in dem Ausmaß, wie man es versucht hat glaubhaft zu machen, aber das täuscht nicht darüber hinweg, dass es ein wirklich solides Spiel ist, mit dem man mehrere Stunden Spielspaß ins Haus bekommt.

Danke fürs Lesen und viel Spaß beim Spielen!Wertung: 6/10

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.